Das Gute am Lockdown?

Der mögliche Anfang
2021

Der 4.Lockdown hat den ohnehin schon grauen November in Wien noch dünkler gefärbt. Aus gegebenem Anlass hat SHA. einen sehr persönlich gehaltenen Blog Text verfasst. Für alle, die das jetzt brauchen:

Der mögliche Anfang: Die Gegenwart schenkt uns – wie selten zuvor in der Geschichte unserer Generation – ungewöhnlich viele Gelegenheiten, zu lernen.

Oder: Die Situation rund um Corona scheint zu explodieren. Jedenfalls ist sie mittlerweile so verfahren – und trotzdem so omnipräsent – dass nichts mehr geht ohne dieses Thema.

Fakt: Ich habe versucht, einen Blog zu schreiben, der sich bewusst anderen, »freieren« Themen zuwendet, die uns inspirieren und stärken sollten ...

Aber: Es will mir nicht gelingen.

Persönliches: Noch nie habe ich mich in einer Welt fremder gefühlt als in dieser novembrigen Kühle des ausklingenden 21er Jahres.

Woran liegt das?

Es ist mir unverständlich, wie sehr sich unsere Gesellschaft radikalisieren konnte. Wer nicht meiner Meinung ist, ist »falsch«. So scheint das Motto unserer Tage zu lauten – beschämend für eine vermeintlich hochentwickelte Gesellschaft im 21.Jahrhundert. Corona hat das ermöglicht? Oder bloß beschleunigt? Geimpfte dürfen auf Ungeimpfte hemmungslos einschlagen – wenn auch bislang nur verbal. Ungeimpfte attackieren Impfüberzeugte und stellen sie auf eine Ebene mit Nazis. Und schon sind wir mitten in einem verhängnisvollen Kreislauf der Aggression ...

Besondere, feinsinnige Qualitäten des Menschseins – Empathie, Achtsamkeit, Wertschätzung – scheinen beurlaubt zu sein. Noch vor kurzem waren es diese humanen Werte, die vielen Menschen Inspiration, Mut und auch Trost vermitteln konnten. Inzwischen scheint der Holzhammer mit seiner bevorzugten Methode der Undifferenziertheit das Mittel der Wahl zu sein.

Wo zeigt sich das am stärksten: In den sozialen Medien. Es ist schon fast ein Hohn, dass wir diese Online Plattformen »Social Media« nennen. Dieser virtuelle Kommunikationsraum bläht sich aktuell zu einem gigantischen Resonanzraum auf, der vor allem das Extreme, das Übergriffige verstärkt. In der Mehrheit der Postings auf Facebook, Instagram, Twitter & Co zeigt sich entweder Dummheit oder eine geradezu lustvolle Gier nach moralischer Grenzüberschreitung. Was ist da passiert?

Zurück zu mir: Von Natur aus bin ich Querdenker.

Wobei: Jetzt nicht so »Querdenker«, wie sich die Anhänger einer radikalen Initiative gegen Covid-19 Schutzmaßnahmen in Deutschland bezeichnen. Wie ungünstig und irgendwie fast demütigend, dass ich mich jetzt hier für das Querdenken rechtfertigen muss, denke ich mir.

Ein Moment der Stille.

Das Querdenken, wie ich es jedenfalls meine, führt dazu, dass ich aus meiner holistischen Perspektive heraus im vermeintlich Schlechten auch das vermeintlich Gute sehen kann. Das hat Vor- und Nachteile. Mein Vorteil ist, dass ich mit diesem Blick, im Gewöhnlichen das Ungewöhnliche entdecken kann – oder im Alltäglichen das Besondere. So kreiere ich meine Kunst. Das schätzen bestimmte Menschen. Mein Nachteil ist, dass ich diesen Blick nur schwer abstellen kann und manchmal »zu viel« sehe.

Frage: Wieso fällt es mir mittlerweile so schwer, Beschlüssen einer Regierung zu folgen?

SPIEGELUNG.

Die Corona Krise spiegelt mir mein Inneres auf schonungslose Weise nach außen. Das birgt die Chance, Beziehungen neu zu betrachten – vor allem die Beziehung zu mir selbst und zu meinem Tun – aber natürlich auch zu den Menschen rund um mich herum. Und ... zu den Medien, die ich tagein tagaus konsumiere und die mich stark beeinflussen. Neuordnung ist angesagt. Auf allen Ebenen. Starte mit 3 Tagen »Digital Detox« – es wirkt Wunder.

Danach kommt:

WAHRHEIT.

In vielen Aspekten unserer Krisenzeit fehlt Kohärenz. Ja, ich würde sogar sagen, dass die allermeisten Aussagen zum Thema Corona – bei genauerer Betrachtung – widersprüchlich sind. Ausgerechnet in dieser Zeit missbraucht man nun so oft die Wissenschaftlichkeit als meist verkürzte und alleingültige Argumentationshilfe. Vielleicht ist das letztlich ein Zeichen von Hilflosigkeit im Kampf mit dem Unbekannten. Dabei bestünde gerade in der Auseinandersetzung mit dem Neuen – dem noch nicht Gezähmten – die Chance für eine Horizonterweiterung, um die vielen Facetten von »Leben« für wahr nehmen zu können. Dafür bräuchte es aber einen breiten, von gegenseitiger Achtung und Respekt getragenen Dialog im öffentlichen Gesellschaftsraum – und nicht eine einzige Meinung, die die Regel vorgibt und das menschliche Gespräch maskiert oder gar ganz vermummt.

Ich verspüre Sehnsucht nach:

FREUNDLICHKEIT.

Nach bald 2 Jahren Ausnahmezustand sind viele Menschen nachhaltig verunsichert, ängstlich, resigniert und einsam. So viele unangenehme Gefühle prägen nicht nur die »News«, sondern tatsächlich auch den Lebensalltag. Individuen wie wir es sind – und damit meine ich auch DICH, der Du Zeit und Raum geschenkt bekommen hast, diesen Blog zu lesen – wird in dieser Phase der Menschheitsentwicklung eine besondere Aufgabe zuteil: Seien wir freundlich. Schenken wir einander Menschlichkeit in Form von Aufmerksamkeit. Dann werden wir mit Dankbarkeit belohnt. Daraus kreiert sich – ganz von selbst – eine neue Wirklichkeit: Seien wir selbst die Veränderung, die wir »draußen« sehen wollen.

Mir geht es besser.

Das mögliche Ende: Die Gegenwart schenkt uns – wie selten zuvor in der Geschichte unserer Generation – ungewöhnlich viele Gelegenheiten, zu lernen.

Oder: Die Corona Zeit kann eine Kreuzung auf der menschlichen Zivilisation sein. Aber nur diejenigen, die das Heft des Handelns in der Hand behalten, beeinflussen auch die Wege, die wir beschreiten. Gleich ob materiell, geistig oder spirituell.

Bin ich froh, diesen Blog – doch – geschrieben zu haben.

Dieses »doch« lässt mich atmen, erkennen, gibt mir Mut und Energie: Ich sehe meine Aufgaben weniger im vorherrschenden Paradigma der Kontrolle, des Krieges (»Kampf gegen das Virus«), der Herrschaft, der Macht und der Überwachung. Ich sehe meine Aufgaben mehr im Einstehen für die kreative Vielfalt des Lebens, für Diversität statt Einfalt und für die Stärkung von Verbundenheit, Sensibilität und Liebe.

Ich gebe zu:

Nichts von all dem hören wir zum ersten Mal. Aber nichts von all dem können wir oft genug hören.

Was DU jetzt konkret tun kannst?

Ruf jemand an. Und hör ihm hauptsächlich zu.

Suche neue Musik, die Dir richtig gut gefällt. Lausche ihr immer und immer wieder.

Sag dem Menschen, den Du am liebsten hast, dass Du ihn liebst.