NOBJEKT KUNST

Experimente mit dem Ich–Welt–Verhältnis
2025

Die offenkundige Überschneidung von künstlerischem und therapeutischem Potential macht die Projekte von SHA.ART aus psychologischer Perspektive außerordentlich reizvoll.

Nobjekt Kunst

Die Gestaltungen von SHA. ziehen diejenigen, die mit ihnen umzugehen beginnen, in einen Bann oder in eine Sphäre, in der das gewohnte Weltformat von »betrachtendem Subjekt« auf der einen Seite und »betrachtetem Objekt« auf der anderen Seite verschwimmt.

SHA. schreibt insofern eine Traditionslinie von immersiver Kunst weiter, die mit Hilfe immer neuer technologischer Möglichkeiten Menschen in künstliche Medien eintauchen will – anstatt sie Kunst-Objekten bloß gegenüberzustellen.

Dabei wird mit dem Verhältnis von Ich und Welt experimentiert.

Dabei wird in günstigen Momenten eine der Herausforderungen spürbar, die uns als Epoche zur Bearbeitung ansteht: ob und wie weit wir zwischen den unbelebten und den belebten Dingen einen dritten Wert oder eine »nuancierte Zone« ansetzen können – bevölkert von beziehungsaktiv gewordener Materie, von Hybridagenten zwischen dem Seelischen und dem Nichtseelischen.

Um für solche Experimente jenseits des festgefügten Subjekt-Objekt-Denkens Land zu gewinnen, hat Thomas Macho den Begriff des Nobjekts vorgeschlagen.

Es ist eine beim ersten Hören ungewöhnliche Wort­schöpfung, mit deren Hilfe er die psychoanalytische Unsitte vermeiden will, selbst unsere frühesten Wirklichkeitserfahrungen (nämlich die der Mutter-Kind-Sphäre) mit Objektbeziehungsbegriffen beschreiben zu müssen.

Denn mit solchen Begriffen ist unser aller erste Situation verfehlt beschrieben: eine Situation im Mutterleib, in der ja noch überhaupt keine subjekt-objekthaften Verhältnisse vorliegen, sondern ein saum- und dimensionsloses Getragen-, Durchtönt-, Gehalten-, Eingehüllt- und Gewärmt-Sein.

Nobjekt Kunst – wie die AlphaSphere von SHA. – lädt zu solchen Nobjekt-Wiedererfahrungen ein, die in wissenschaftlichen Studien bereits eindrucksvoll dokumentiert wurden.

Der besondere Genius der AlphaSphere liegt offensichtlich dabei darin, dass die in ihr und durch sie stattfindende »Anamnesis« nicht als entblößend oder beunruhigend erlebt wird, sondern in einem Klima der Entspannung und Entängstigung.

Diese offenkundige Überschneidung von künstlerischem und therapeutischem Potential macht das Projekt aus psychologischer Perspektive außerordentlich reizvoll.

(Dr. Thomas Slunecko, Psychotherapeut und Professor an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien)