URBANE AKUPUNKTUR IM ZEITALTER OMNIPRÄSENTER MEDIEN
1) Wie sieht die Zukunft des analogen öffentlichen Raums aus – im Zeitalter von KI und allgegenwärtigen Medien? Ziel ist es, zu erforschen, wie der analoge Ort, der Stadtraum, in Zukunft so gestaltet werden kann, dass er seine gesellschaftliche Bedeutung nicht verliert. Dabei geht es auch darum auszuloten, was Kunst im Alltag leisten kann – in Bezug auf die menschliche Wahrnehmung. Vor allem, was multisensorische Kunst in einer Zeit, in der Menschen die meiste Zeit vor Bildschirmen verbringen und KI-Systeme die Gestaltung übernehmen, für die Gesellschaft leisten kann. Und was macht dann Kunst zur Kunst?
2) Wie können Mensch und KI gemeinsam lernen, um zusammen neue virtu-reale Antworten zu finden? An dieser Stelle wollen wir auf die Kraft der Ko-Kreation setzen. Dieser bewusst offen und experimentell gehaltene Ansatz soll das Projekt von klassischen künstlerischen Formaten abheben und den innovativen Anspruch des Projekts unterstreichen. Gerade die direkte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten – und den Unmöglichkeiten – eines digitalen KI-Organismus soll auch den menschlichen Schaffensgeist anregen. Wir wollen verhindern, dass an dieser Stelle nur bereits vorgefertigte künstlerische Positionen ausgetauscht werden. Stattdessen wünschen wir uns radikal neue Projektergebnisse.
3) Welche ästhetischen und sinnlichen Kriterien können wir definieren für die Mischung digitaler Medien und analoger Elemente – wie wir es aktuell in der verhältnismäßig jungen „immersiven Kunst“ erleben? Ziel ist es, zu explorieren, wie wir Kunstformen mischen können, um sinnliche Erfahrungen zu generieren, die uns Menschen ganzheitlich über unsere Sinne berühren. Wir suchen nach immersiver Kunst, in die Menschen holistisch eintauchen können, anstatt vor Kunstwerken zu stehen und sie nur als Beobachter zu rezipieren. Welche Möglichkeiten eröffnet hier der virtu-reale Raum?
STEIGERUNG DER WIRKUNG VON KUNST
Kern und Motor dieser Initiative ist es, sowohl die Schritte der Erprobung als auch die Ergebnisse der künstlerischen Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Projekt erforscht zum einen den Einfluss von KI auf die Wahrnehmung und Gestaltung des öffentlichen Stadtraums. Andererseits erforscht das Projekt auch den Einfluss der Menschen auf die KI. Beide Erkundungen finden vor allem mit künstlerischen Mitteln statt, interdisziplinär in einem europaweiten Konsortium aus Künstlern, Denkern und Kulturschaffenden.
Um die Ergebnisse nun nicht nur ExpertInnen zugänglich zu machen, ist es allen Beteiligten des Konsortiums ein großes Anliegen, einen niederschwelligen Zugang zu gewährleisten. Die Erprobung neuer Zielgruppen ist ein wesentliches Projektziel, da alle Aktivitäten im öffentlichen Raum mit freiem Zugang stattfinden sollen.
SOZIALE INKLUSION ALS TEIL DER INNOVATION
Dafür wollen wir ein anspruchsvolles Kulturvermittlungsprogramm entwickeln, das darauf abzielt, die Erkenntnisse des Projekts zu Sinneserfahrungen einer breiten Öffentlichkeit zu machen. Um tatsächlich über den Tellerrand des Kunst- und Kulturbereichs hinaus gesellschaftlich wirksam zu werden, planen wir auch die proaktive Einbeziehung von Randgruppen, sozial schwächer gestellten Personen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Auch Jugendliche/Teenager und ältere Menschen/Rentner, die bei Innovation und Avantgarde oft unberücksichtigt bleiben, sollen in diesen Prozess eingeladen werden. Nur so können wir der Utopie eines digitalen Humanismus, wo die technologische Entwicklung mit kultureller und sozialer Innovation kombiniert wird, zu mehr Gegenwart verhelfen.
Gleichsam als Nebeneffekt wird die Wahrnehmung zeitgenössischer Kunst als »hochkulturelle Agenda« verändert. Zeitgenössische Kunst muss nicht nur bestimmten gesellschaftlichen Schichten vorbehalten sein, sondern kann sich einem frei und ohne Hürden erfahrbaren Kunstbegriff inmitten der Alltagskultur öffnen.
© SHA. 2023