DIGITALE HÖHLENMALEREI

Ausgangspunkt für zeitgenössische Medienkunst
2023

Vor rund 45.000 Jahren hat die wohl erste große »Kultivierung« des Menschen stattgefunden. Laut SHA. stehen wir heute an einem ähnlich großen Kultursprung ...

DIGITAL CAVE PAINTING

Vor rund 45.000 Jahren hat die wohl erste große »Kultivierung« des Menschen stattgefunden. Die Menschen haben damals begonnen, ihre Umgebung und ihre Erlebnisse zu reflektieren und auf kreative Weise zu abstrahieren – konkret an ihren Höhlenwänden.

Meine Hypothese ist es, dass wir uns als Menschheit heute an einem kulturell ähnlich bedeutsamen Punkt befinden, wie damals. Nur die Parameter sehen anders aus:

Der Malgrund hat sich verändert. Unsere heutige Höhlenwand ist die vom Menschen erbaute analoge Welt – im Fall unseres Medienkunstwerks in der Alten Post ist der Malgrund der große historische Dominikanerhof.

Unsere Werkzeuge sind nicht Finger, Pinsel und Naturfarben, sondern Pixel, Bits und Bytes, die aus dem digitalen Universum stammen und auf die analoge Oberfläche der Alten Post projiziert werden, wo sie gemeinsam – das Archaische und das Futuristische – etwas Neues erschaffen.

Das dargestellte Motiv ist aber das gleiche wie vor 45.000 Jahren: Nämlich das, was wir Menschen reflektieren ... wo wir gerade stehen ... was wir sehen ... was uns begegnet ... was uns fordert. Dadurch entsteht irgendwie auch Kunst. Dies scheint dem Menschen grundgelegt zu sein.

MULTISENSORIK

Ein Unterschied zur archaischen Höhlenmalerei ist aber die Multisensorik in unserer heutigen Medienkunst: Das »Digital Cave Painting« bezieht sich nicht nur auf das Visuelle, sondern in einer Art Synästhesie auf alle Sinneskanäle. Das Gesehene und das Gehörte werden ganz eng miteinander verknüpft, ja, im Idealfall sollen sie als Eins wahrgenommen werden. Auch andere Sinneseindrücke werden dazu verwoben (wie das Somatische, Olfaktorische, Gustatorische),    um letztlich immer wieder Momente einer sinnlichen Gesamterfahrung zu formen.

Unterstützt werden soll diese multisensorische Gesamterfahrung von einem immersiven Raumverständnis, das von der archaischen Höhle inspiriert ist. In unserem Medienkunstwerk in der Alten Post verstehen wir Raum als lebendigen Organismus, der mit Menschen verschmelzen kann – ähnlich der Situation in einer Höhle.

Dabei beginnen sich zwei Räume/zwei Wirklichkeiten zu überlagern: Der gegebene Realraum und der künstlerische Virtualraum interagieren – ähnlich wie die kreative Wandmalerei die Wirkung der Höhle aufgrund der getriggerten Imaginationskraft des Menschen verändert hat.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

In unserem Fall wird es eine KI sein, die in Form komplexer Pixeluniversen versucht, archaische Weltbilder poetisch zu re-konstruieren. Dabei wird die die KI »atmen«, indem sie die Ästhetik zwischen konkret und abstrakt schwanken lässt. Einfluss auf diesen Realtime Prozess wird die feste, historische Architektur nehmen, worauf die digitalen Ströme projiziert werden – und die Menschen, die sich in diesem Hofraum/Höhlenraum bewegen und interagieren können. Real- und Virtualraum interagieren. Die Beziehung Analog-Digital wird in jedem Augenblick neu verhandelt und sinnlich zugänglich gemacht. Zugleich archaisch und futuristisch. Kunst als Wahrnehmungsausdehnung und Bewusstseinserweiterung. Bis ins Heute.

ABER WO STEHEN WIR HEUTE?

Wir stehen gerade an einer nächsten großen Kreuzung, dem nächsten, vielleicht sogar dem bisher größten Entwicklungsschritt der Menschheit. Dieser Schritt ist aufgespannt zwischen zwei Extremen:

Einerseits ist da die Integration des Digitalen in unseren Alltag – wo die Künstliche Intelligenz in immer rasanteren Schritten immer wesentlichere Funktionen übernimmt und unser Leben radikal verändern wird.

Andererseits ist da die sehr reale und analoge Umweltkrise unseres Planeten, der immer stärker auf die bisher ungebremste Ausbeutung der Natur durch die Menschheit reagiert.

Wie können wir diese beiden dynamisierten Aspekte – das völlig abgehobene Digitale der KI und das handfest Analoge einer rasant zunehmenden Erderwärmung – in den Griff bekommen?

MENSCHHEITSENTWICKLUNG

An dieser definierten Schnittstelle der Menschheitsentwicklung stehen wir aktuell. Aber vielleicht liegt gerade in einer neuen Beziehung Analog-Digital und in einem neuen Verhältnis zwischen Archaisch und Futuristisch der Ansatz für die Lösung beider Herausforderungen. Wie schon gesagt: Kunst als Wahrnehmungsausdehnung und Bewusstseinserweiterung. Bis ins Morgen.

VERÄNDERUNG STEHT AN

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